05.11.2025

Kontrolliertes Abziehen mit dem Außenabzieher

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Abzieher gehören zu jedem professionellen Werkzeug-Setup dazu. Welche Vorzüge sie bieten und welche Typen es gibt, kannst du hier nachlesen: Außenabzieher, Innenauszieher, Trenner: Wofür sind sie überhaupt gut?
In diesem Artikel widmen wir uns dem Außenabzieher im Detail: Wie ist er aufgebaut, wie wird er angewendet, welche Arten hast du zur Wahl? Wann ein Außenabzieher zum Einsatz kommt, ist schnell erklärt: immer dann, wenn ein Bauteil fest auf einer Welle sitzt und kontrolliert, gleichmäßig und schonend demontiert werden muss. Doch wie funktioniert das Ganze genau?
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Wie ist ein Außenabzieher aufgebaut?

Die Grundkonstruktion eines Außenabziehers ist vergleichsweise einfach: Er besteht aus Abzugshaken, einer Traverse und einer Spindel. Darüber hinaus gibt es Modelle, die diverse Einstellmöglichkeiten bieten – etwa mithilfe integrierter Gelenke.
  • Die Abzugshaken (auch „Arme“ oder „Schenkel“ genannt) sind auf der Traverse montiert. Ihre Aufgabe: Sie greifen das abzuziehende Bauteil. Je nach Ausführung besitzt ein Außenabzieher 2 oder 3 Abzugshaken. Ferner gibt es Modelle mit schwenkbaren oder selbstzentrierenden Haken.
  • Die Traverse ist nicht nur dafür da, die Abzugshaken zu halten. Vielmehr ist es möglich, die Position der Abzugshaken darauf zu verändern. Auf diese Weise lässt sich die Spannweite des Abziehers an den Durchmesser des abzuziehenden Bauteils anpassen.
  • Die Spindel ist eine Schraube mit einem Feingewinde, die im Zentrum der Traverse durch ein Gewinde läuft. Sie besitzt meist eine Spindelspitze für die Zentrierung und einen Sechskant-Spindelkopf, welcher für die Betätigung des Abziehers verwendet wird. Die Aufgabe der Spindel besteht darin, Druck auf die Welle auszuüben und gleichzeitig über das Anheben der Traverse und Abzugshaken eine Zugkraft aufzubauen.
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Wie wird ein Außenabzieher angewendet?

Um ein Bauteil abzuziehen, werden zunächst die Abzugshaken des Außenabziehers an den Durchmesser des Teils – klassischerweise ein Zahnrad oder ein Lager – angepasst und ihre Haken unter dem Teil positioniert. Im zweiten Schritt wird die durch die Traverse laufende Spindelschraube im Uhrzeigersinn von Hand eingedreht, bis sie mittig auf der Welle aufliegt.
Dann erst erfolgt das eigentliche Abziehen: Mithilfe eines Schraubenschlüssels wird die Spindel erneut im Uhrzeigersinn gedreht. Der Rest ist Physik: Die Spindel übt eine nach unten wirkende Druckkraft auf die Welle aus. Die Traverse – und mit ihr die Haken – bewegen sich aufgrund der Spindeldrehung nach oben, sodass sich am Bauteil eine der Druckkraft entgegenwirkende Zugkraft nach oben aufbaut.
Da sich diese Zugkraft auf mehrere Arme des Abziehers verteilt, wirkt sie gleichmäßig auf das gesamte Bauteil. So wird dieses ohne Ruckeln oder Verkanten angehoben und Beschädigungen am Bauteil oder der Welle werden so vorgebeugt.
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Welche Außenabzieher-Sondertypen gibt es?

Abweichend vom gerade beschriebenen klassischen Aufbau haben sich 2 weitere Konstruktionen bewährt: solche mit selbstzentrierenden oder schwenkbaren Abzugshaken.
  • Bei Außenabziehern mit selbstzentrierenden Abzugshaken sind beide Abzugshaken so miteinander verbunden, dass sie sich beim Abziehvorgang automatisch spannen und zentrieren. Auf diese Weise spart der Anwender Zeit und das Risiko einer falschen Positionierung sinkt. Eine gleichmäßige Lastverteilung ist gewährleistet. Deshalb ist dieser Typ besonders für gleichbleibende Abziehvorgänge geeignet.
  • Bei Außenabziehern mit schwenkbaren Abzugshaken sind die Traverse und die Abzugshaken über bewegliche Verbindungsteile miteinander verbunden. Die Abzugshaken ziehen sich beim Anziehen der Spindel selbsttätig fest. Diese Konstruktion ist besonders für enge Bauräume geeignet und sehr leicht anzusetzen.
  • Bei Außenabziehern mit seitlicher Spannzwinge wird mit einer zusätzlichen seitlichen Spindel Kraft aufgebracht. Dadurch werden die Abzugshaken unter ein Bauteil wie bei einer Trennvorrichtung geschoben. Bei dieser Bauform können die Abzugshaken beim Abzugsvorgang nicht abspringen.
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Worauf sollte bei der Anwendung von Außenabziehern geachtet werden?

Werden Außenabzieher falsch angewendet, kann das Werkzeug oder das abzuziehende Bauteil Schaden nehmen. Auf diese Hinweise sollte deshalb besonders geachtet werden:
  1. Wahl des richtigen Modells: Ist genug Platz vorhanden, empfiehlt sich der Einsatz eines dreiarmigen Abziehers, um für eine optimale Lastverteilung zu sorgen. Zweiarmige Abzieher sollten idealerweise nur in engen Bauräumen zum Einsatz kommen.
  2. Wahl der richtigen Größe: Die Verwendung eines zu kleinen oder zu großen Abziehers kann das Bauteil beschädigen. Idealerweise nutzt man einen Außenabzieher, dessen Spanntiefe und Abzugshakenlänge variabel an den Anwendungsfall angepasst werden können.
  3. Positionierung der Abzugshaken: Die Abzugshaken müssen stets komplett auf der Traverse sitzen und dürfen nie überstehen. Die Haken müssen in Gänze und gerade unter das abzuziehende Teil greifen.
  4. Zentrierung: Bei mittig positionierten Wellen muss auch der Abzieher mittig angesetzt werden. Ist die Welle asymmetrisch positioniert, ist ein Abzieher mit parallelen Abzugshaken erforderlich.
  5. Nur ein Bauteil auf einmal: Sind mehrere übereinanderliegende Bauteile abzuziehen, muss jedes davon einzeln entfernt werden. Werden mehrere Teile gleichzeitig „gegriffen“, drohen Schäden.
  6. Kraft dosieren: Ebenso sind Verlängerungen zur Vergrößerung des Hebelwegs beim Betätigen eines Abziehers ungeeignet. Stattdessen sollten geeignete Werkzeuge wie eine Knarre/Ratsche, ein Schraubenschlüssel oder idealerweise ein Drehmomentschlüssel bei hydraulischen Spindeln verwendet werden.
  7. Unfallvermeidung: Zum Schutz vor plötzlichen Bewegungen beim Abziehen sollte das Abziehwerkzeug und das abzuziehende Teil mit einer Unfallschutzplane abgedeckt werden.
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